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Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind

Online-Volltextdatenbank für Briefe von und an Frank Wedekind



Editorial

Inhalte

Status quo der Edition - Einleitung - Zur digitalen Edition - Zur kulturelle Bedeutung der Briefe von und an Wedekind - Zum editionsphilologischen Konzept der digitalen Edition

Status quo der Edition

Die Online-Präsentation der Briefe von und an Frank Wedekind befindet sich vorerst in einem Testversuch.

Aktuelle Informationen über Status und Entwicklung der Datenbank erhalten sie auf den Seiten der Frank Wedekind-Gesellschaft Darmstadt.

Einleitung

Von den durch die Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind national und international ermittelten und in Kopie gesammelten rund 3.300 Korrespondenzstücken sind bislang ca. 2.500 unveröffentlicht geblieben. Darunter befinden sich zahlreiche Briefwechsel, von denen nur wenige Einzelstücke überliefert sind. Diese vereinzelten Briefe fordern das Modell einer digitalen Edition heraus, die zwar vom Arbeitsaufwand nicht weniger Zeit als eine Print-Edition beansprucht, aber sich insbesondere für die Gesamtedition einer Korrespondenz von und an Frank Wedekind als optimal anbietet.

Für eine digitale Edition spricht im Einzelnen,

  • dass kostengünstig große Datenmengen, in diesem Fall umfangreiche Korrespondenzen, problemlos gespeichert werden können,
  • dass dort auch kleine Briefwechsel oder Einzelstücke sich versammeln lassen, während für gedruckte Briefwechsel in selbständiger Edition nur größere Korrespondenzen in Frage kommen,
  • dass die digitale Edition mit ihren – gegenüber der Buchedition – vielfältigeren synoptischen Darstellungs- und interaktiven Recherchemöglichkeiten ein unvergleichlich größeres Anwendungsspektrum anbietet,
  • dass im Vergleich zu anderen Editionen die Besonderheit dieser Edition darin besteht, dass das Datenmodell zwar primär für diese Online-Edition entwickelt wird, das Potenzial einer Hybrid-Edition jedoch durch die Möglichkeit einer nachträglichen, flexiblen Generierung von einzelnen Briefwechseln in gedruckter Form gegeben ist,
  • dass eine Integration von Ergänzungen (z.B. Neuzugang von bisher unbekannten Briefen) im Rahmen der Online-Edition jederzeit möglich ist. Der Referenzwert der Edition ist durch die eindeutige Kennzeichnung von Erfassungsdatum und Bearbeiter/in gegeben. Nach beiden Nachweisen lässt sich recherchieren, so dass Änderungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes transparent gemacht werden können.

Zur digitalen Edition

Technische Ziele

Vorbemerkung: Auf die benutzerfreundliche Erfassung und Annotation der Briefe durch eine vollständig web-basierte Oberfläche einschließlich web-basiertem TEI-Editor wurde in der Eingabe größten Wert gelegt. Ebenso war es Grundsatz, in der Ausgabe eine benutzerfreundliche, sich möglichst selbsterklärende Darstellung für die wissenschaftliche Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Architektur-Ziele:

  • Modulare Architektur, um die Austauschbarkeit der Komponenten zu ermöglichen
  • Generische Eignung für digitale (Brief)-Editionen
  • Größtmögliche Unabhängigkeit vom verwendeten Datenbankmanagementsystem
  • Verwendung einschlägiger Standards (TEI)

Technische Realisierung

Die plattformunabhängige Anwendung wurde entsprechend der obigen Ziele die Java EE Architektur eingesetzt. Dabei kommen folgende Technologien zum Einsatz:

  • JSF 2.0, PrimeFaces, CSS
  • AJAX, jQuery
  • XSLT / XSL-FO
  • JPA (Objekt-Relationales Mapping mit OpenJPA)
  • TEI (SIG:Correspondence/WeGA)
  • Relationales DBMS (PostgreSQL)
  • Elastic Search

Auszeichnungen und Kommentierungen erfolgen innerhalb des vollständig web-basierten eigenentwickelten TEI-Editor. Unterstützend ist dabei eine Übernahme von (Standard)-Word-Formatierungen möglich.

Zur kulturellen Bedeutung der Briefe von und an Wedekind

Die Briefe von und an Wedekind zeigen, wie eng sein literarisches Schaffen mit den künstlerischen Kreisen der Zürcher, Münchner und Berliner Moderne verbunden war und wie aufmerksam er seine Wirksamkeit in der Öffentlichkeit verfolgte. Wedekind wusste sich in Position zu bringen.

Davon erzählen auch die meist noch unveröffentlichten Familien- und Jugendbriefe. Sie geben detailreiche Hinweise auf die diffizile Emanzipation aus der kulturellen Enge kleinstädtischer Verhältnisse und patriarchaler Familienstrukturen. Davon erzählen auch die vielen, von Wedekind verbissen geführten Konflikte, sei es in Verlags- und Theaterangelegenheiten oder im öffentlich ausgetragenen Kampf mit den Zensurbehörden. Davon erzählen auch seine Verbindungen zu kulturell einflussreichen Persönlichkeiten, die ihm – wie z.B. über Maximilian Harden und Walther Rathenau – auch Wege in die politische Szene jener Epoche eröffneten. Auch opportune Rücksichtnahme auf die Eigenheiten und Eitelkeiten seiner Briefpartner ist Wedekinds Briefen nicht fremd. Mit keiner öffentlich einflussreichen Person, sofern sie von ihm als ‚Partei’ begriffen war, wollte er es sich verderben. Er überließ es Harden, Kerr und Kraus, sich zu katzbalgen. Wedekind plante seine Briefe sorgfältig, wie seine vielen Briefentwürfe bezeugen, die er – sie nuanciert überarbeitend – anschließend wohlformuliert ausführte. Stilistisch gehört er zu den großen Briefschreibern seiner Epoche.

Zahlreiche Aufschlüsse über die Produktion und über die Rezeption seiner Werke ergeben sich aus der umfangreichen Korrespondenz. Vielfältige Anregungen und Unterstützungen für sein literarisches Werk erfuhr Wedekind durch seine Briefpartner von früh an wie z.B. durch Oskar Schibler, Olga Plümacher und Beate Heine oder später durch Karl Kraus, Alfred Kerr, Erich Mühsam, Heinrich Mann u.a.. Besonders erwähnt sei die Korrespondenz mit ihm befreundeter Frauen wie z.B. mit Bertha Jahn, Minna von Greyerz oder Bertha Maria Denk. Aus ihr lässt sich erfahren, wie empfindlich und konfliktgeladen in jener Epoche des Umbruchs Beziehungen zwischen Frauen und Männer sich gestalteten, in einer Epoche, in welcher – nicht zuletzt durch die mächtigen Impulse der Frauenbewegung – die Geschlechterverhältnisse und -rollen in Freundschaft, Liebe, Ehe, Familie und Beruf neu verhandelt wurden. Ausführlich bezeugt dies der unveröffentlichte, umfangreiche hochdramatische Briefwechsel zwischen Tilly Newes-Wedekind und Frank Wedekind.

Dank der von der Editions- und Forschungsstelle Wedekind erarbeiteten Kritischen Edition der Werke (Darmstädter Print-Edition in 15 Bänden, 1994-2013), welche die Werke im kulturgeschichtlichen Kontext der Zeit verankert, lassen sich über die Online-Briefedition vielfältige semantische Beziehungen zwischen Werk- und Briefkorpus herstellen. Zusammen mit den jetzt online vollständig veröffentlichten Tagebüchern - http://frankwedekind-gesellschaft.de/ - bilden die Briefe von und an Wedekind eine bedeutende Materialbasis für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werk und Person des Autors, für die biographische Geschichtsschreibung und für die Historiographie der Epoche des Fin de siècle zwischen 1880 und 1918. Einerseits kann die Wedekind-Korrespondenz als wissenschaftliches Hilfsmittel in Anspruch genommen werden, andererseits handelt es sich um eine selbständige literarische Gattung, welche Einblick in die Kultur einer im Umbruch befindlichen Epoche gibt und zugleich ein Dokument der ihr eigenen Briefkultur darstellt.

Zum editionsphilologischen Konzept der digitalen Edition

Alle Texte sind unter Beachtung unten stehender Editionsprinzipien diplomatisch wiedergeben. Die parallele Darstellung der Transkription des Schriftstückes und des Faksimiles der Handschrift ermöglicht nicht nur die Kontrolle über die genaue typographische Wiedergabe des Textes, sondern weist dem Faksimile auch eine eigenständige Funktion zu. Sie besteht darin, dass sie einerseits die typographische Transkription mimetisch entlastet und andererseits den durch den Medienwechsel entstehenden Zeichenverlust im Abbild kompensiert. Freilich ersetzt das Digitalisat der Handschrift nie das handschriftliche Original.

Auflösungen:

  • Endsilbenverschleifungen
  • Geminationsstriche

Beibehalte:

  • Abkürzungen
  • Getrennt- und Zusammenschreibung
  • Groß- und Kleinschreibung
  • Hoch- und Tiefstellungen
  • Originäre Währungsangaben
  • Wechsel zwischen Kurrent und Lateinschrift. Ist ein Korrespondenzstück vollständig in lateinischer Schrift verfasst, so wird dies unter "Eigenschaften" angezeigt.

Einfügungen:

  • Die Einfügungen sind wie folgt gekennzeichnet: über der Zeile, unter der Zeile, auf der Zeile, Kopf der Seite, Fuß der Seite, linker Seitenrand, rechter Seitenrand, Gegenseite, Rückseite oder Freiraum.

Sachirrtümer des Korrespondenten:

  • Nicht bereinigt sind Textstellen, die auf einem Sachirrtum des Autors beruhen wie z.B. eine irrtümliche Datierung. Erläuterung des Sachirrtums im Einzelstellenkommentar

Schreibversehen:

  • Fehlende Pünktchen über ä, Ä, i, ö und ü sind stillschweigend ergänzt.

Seitenumbrüche:

  • Sie sind durch geraden Strich | gekennzeichnet.

Streichungen:

  • Einfache und doppelte Satz-, Wort-, Silben- und Buchstabendurchstreichungen sind ausgeführt. Zahlreichere Durchstreichungen sind im Einzelstellenkommentar erläutert.
  • Ein durch Streichung unleserlich gewordener Text (Satz, Satzteil, Wort) ist mit Xxx (Großschreibung) oder xxx (Kleinschreibung) gekennzeichnet.
  • Wiederaufgehobene Streichungen sind ungekennzeichnet ausgeführt. Sie sind im Einzelstellenkommentar erläutert.

Textschäden:

  • Die Schadenstelle ist als "unklarer Text" markiert.
  • Der Textschaden ist gekennzeichnet als Schädigung durch Wasser, Feuer, Schmutz oder Papierverlust.

Textumstellungen:

  • Textumstellungen des Korrespondenten sind ausgeführt. Erläuterung der Textumstellung im Einzelstellenkommentar.

Überschreibungen:

  • Überschreibungen von ganzen Wörtern, von Silben oder Buchstaben sind wie folgt gekennzeichnet: Beispiele: "meint/glaubt/" ("glaubt" überschreibt "meint"), "g/l/au/ie/bt" ("liebt" überschreibt "glaubt").

Unterstreichungen:

  • Ausgeführt sind einfache und doppelte Unterstreichungen. Zahlreichere Unterstreichungen sind im Einzelstellenkommentar erläutert.

Vereinheitlichungen:

  • Unterschiedliche Trennungsstriche
  • Unterschiedliche Einfügungszeichen in Form von geschweiften Klammern {}

Verschreibungen:

  • Fehlende Buchstaben im Text werden nicht ergänzt. Die "Schreibweise" oder das "Schreibversehen" werden im Einzelstellenkommentar erläutert.
  • Fehlende Wörter im Text werden mit spitzen Klammern (<>) gekennzeichnet, um die Lesbarkeit des Textes zu ermöglichen. Der Eingriff wird im Einzelstellenkommentar erläutert.
  • Fehlende komplementäre Klammer (Öffnungs- oder Schließungsklammer) oder ein fehlendes Anführungszeichen ("Sie hat Magenschmerzen). Das ergänzte Zeichen steht in spitzer Klammer "Sie hat Magenschmerzen<">.

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